Klaviertechnik verbessern

Seit Jahren beobachte ich, dass meine Seite, neben der Such nach Klavierunterricht, am zweit häufigsten unter dem Suchbegriff „Klaviertechnik verbessern“ aufgerufen wird. Die so zustandekommenden Kontakte zeigen mir, dass hier trotz breiter Angebote an Klavierunterricht nach den verschiedensten Schulen ein massives Vakuum in der Pädagogik besteht. Der Grund ist sicher nicht, dass es nicht genügend Klavierlehrer gibt, die auch gut spielen können. Ich denke, der Grund ist der, dass nur wenige wissen, warum ihre Anweisungen bei ihnen selbst funktionieren und daraus abgeleitet: warum sie bei anderen u.U. nicht funktionieren.

Nach meiner Erfahrung ist ein ganz wesentlicher Grund für das immer neue Scheitern an der Arbeit an der Klaviertechnik der, dass das Phänomen der automatisierten Bewegungen völlig falsch eingesetzt wird. Lesen Sie hierzu: „Die motorische Falle“    „Bewegungswahrnehmung“

Ein weiterer Grund ist der, dass man eine ganz entscheidende Ursache für Verspannungen beim Spiel nicht erkennt. Lesen Sie hierzu: „Verspannungen, eine Ursache“ (wird noch eingestellt)

VERSPANNUNGEN, eine Ursache …

Nachfolgend habe ich einige wesentliche Anschlagsarten zusammengestellt, die die Wahrnehmung des Bewegungsapparates und verschiedenen zu erzeugende Klangebenen ermöglichen. Eine auf dieser Basis erworbenen Klaviertechnik liefert Handwerkszeug um letztlich musikalisch ausdrucksvoll zu gestalten.

Anschlagsarten zum Erlernen virtuoser Werke

Anschlagsarten:

Gewichtstechnik

mit fallendem Unterarm (wippen)
-aus dem Ellenbogengelenk,
-Handgelenk wird dabei passiv mit bewegt,
-runde, feste Finger, die leicht in den Arm stoßen
-Oberarm ruhig.

mit fallender Hand (Hand fällt passiv mit allen Fingern auf die Tasten, wobei nur einer spielt),
-hierbei Oberarm und Unterarm ruhig,
-die Hand wird im Handgelenk aktiv angehoben und fallengelassen,
-alle nichtspielende Finger fallen locker auf die Tastenoberfläche,
-immer auf den Moment konzentrieren, wo die Hand in der Taste ruht.

mit Gewicht des Armes (Arm wird von den Fingern getragen),
-runde, feste, leicht ziehende Finger,
-deutlichen Fingerwechsel, aber die Finger an d. Taste lassen,
-das Gewicht des Armes wird nur auf den anderen Finger übertragen, bzw. von ihm abgenommen,
-hierbei schlagen die Finger nicht aktiv an,
-der Fingerwechsel muss „plötzlich“ sein,
-Arm hängt wie eine Hängebrücke,
-Arm wird aus dem Ellenbogengelenk geführt.

Fingertechnik

mit hohen Fingern (ohne Gewicht),
-Unterarm rechtwinklig zum Oberarm über die Tastatur halten,
-Hand loslassen und mit hohen, schwungvollen Fingern aus dem hinteren Fingergelenk auf die Tastenoberfläche spielen,
-Taste nicht bis zum Tastenboden anschlagen, damit gewährt ist, dass nur der Schwung aus dem Finger den Ton bildet,
-dabei auch mal auf eine deutliche „Rausbewegung“ der Finger achten. D.h. den jeweiligen Finger nach dem Anschlag weit hochreißen,
-mit diesem Anschlag auch verschieden akzentuiert bez. rhythmisiert spielen.

Fesselstudie: Um die reine Fingertechnik und die Unabhängigkeit der Finger untereinander zu schulen empfiehlt es sich auch, mit unangenehmen Positionen die Fesselstudie zu üben.
-Hierbei hält man in einer Position alle Tasten mit den Fingern am Tastenboden und spielt mit hohem Fingerschwung jeden Finger etwa vier mal (evtl. auch zur jeweiligen Nachbartaste wechseln, wenn diese in der Position frei ist).

Mischtechnik

Mischtechnik: Hierbei fließen die verschiedenen Anschlagsarten gefällig ineinander.

-Der Arm wird in ökonomischen, runden Bewegungen geführt (aus dem Ellenbogengelenk wie bei Anschlagsart 1) und die Finger laufen mehr oder weniger aktiv unter den Armbewegungen mit.
-Das Tempo bestimmt hierbei die Armbewegung, ähnlich der Dirigierbewegung eines Dirigenten, unter der sich, wenn die Musiker ihr folgen, das Tempo und die Dynamik der kleineren Notenwerte von selbst organisiert.
Beim Üben der Mischtechnik ist es sinnvoll, entsprechende Passagen in unterschiedlichen Tempi zu arbeiten, ggf. auch geeignete Passagen zu accelerieren. Hierbei ist auf äußerste Ökonomie der Bewegungen zu achten, d.h. auf kleinst erforderliche Bewegungen. Die Bewegungen müssen natürliche „Sympathiebewegungen“ werden. Zu große Bewegungen würden das Spiel empfindlich stören.

Üben ins Tempo

a) von unten: Man spielt eine Passage zunächst in einem bequemen, leicht spielbaren Tempo und steigert sie allmählich bis zum Zieltempo.
b) von oben: Man spielt gleich das Zieltempo, allerdings nur in kurzen Impulsen oder Gruppen und erweiter diese zu immer größeren Gruppen bis schließlich die ganze Passage steht.